Reiner Wild vom Berliner Mieterverein über die Nachnutzung von TXL

Der Schließung­ster­min vom Flughafen Tegel rückt, wenn auch mit Verzögerun­gen, immer näher. Unternehmen und wis­senschaftliche Ein­rich­tun­gen sitzen schon in den Startlöch­ern, um sich auf dem Gelände anzusiedeln. Berlin wird als Wirtschafts- und Wis­senschafts­stan­dort damit noch attrak­tiv­er. Neben Pri­vat­in­vesti­tio­nen und öffentlichen Ein­rich­tun­gen sollen dort aber auch Woh­nun­gen entste­hen.

BI Tegel endlich schließen im Gespräch mit Rein­er Wild, Geschäfts­führer vom Berlin­er Mieter­vere­in

Guten Tag Herr Wild,

BI Tegel schließen: Herr Wild, ein riesiges unbe­bautes Gelände, mit­ten in der Stadt, was dem­nächst bebaut wer­den kann. Schlägt da ihr Herz höher?
Rein­er Wild: Nein, meine Herzfre­quenz hängt hof­fentlich von anderen Anlässen ab. Zumal mir hier Sorge macht, dass sich die Flughafen­schließung doch noch reich­lich ver­schieben kön­nte. Wenn es denn aber ein­mal soweit sein sollte, begrüßen wir natür­lich den Neubau von Woh­nun­gen auf dem Flughafen­gelände.

BI Tegel schließen: Wie viele Woh­nun­gen sollen dort entste­hen?
Rein­er Wild: Flächenan­forderun­gen und Nutzungswün­sche gibt es eine ganze Rei­he. Ver­mut­lich wird nicht jede gewerbliche Nutzung mit Wohnen verträglich sein. Zudem ist ein gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr eigentlich nur am Kurt-Schu­mach­er-Platz gegeben. Wegen der viel­be­fahre­nen Straßen ist der Ostzipfel des Flughafen­gelän­des aber auch nicht ger­ade eine Idylle. Also im vier­stel­li­gen Bere­ich kön­nte die geplante Woh­nungsan­zahl auf dem gesamten Gelände wohl liegen.

BI Tegel schließen: Wird nicht schon genug in Berlin gebaut? Über­all sieht man in der Innen­stadt neue Quartiere entste­hen?
Rein­er Wild: Die Nach­frage nach Wohn­raum ist wegen der Zuwan­derung und der „Versin­gelung“ unge­bremst. Ver­mut­lich fehlen derzeit in Berlin zwis­chen 50.000 und 100.000 Woh­nun­gen. Die weitaus meis­ten Woh­nun­gen wer­den für woh­nungssuchende Haushalte mit niedrigem und mit­tleren Einkom­men gebraucht. Bezieht man die Haushalte mit ein, die auf­grund des gerin­gen Einkom­mens schon eine zu hohe Miet­be­las­tung haben, dann fehlen ver­mut­lich rund 150.000 – 200.000 preis­gün­stige Miet­woh­nun­gen.

BI Tegel schließen: Warum sind bebaubare lan­de­seigene Flächen, wie der Flughafen Tegel, also so wichtig für Berlin?
Rein­er Wild: Auf lan­de­seige­nen Grund­stück­en kann bil­liger gebaut wer­den, weil das Land Berlin die Grund­stücke kosten­freie an städtis­che Woh­nung­sun­ternehmen abgegeben kann. Allerd­ings ist damit noch lange kein preis­gün­stiger Wohn­raum geschaf­fen. Es bleibt also festzule­gen, wie viele Woh­nun­gen auch städtis­che Ver­mi­eter im Neubau an Haushalte mit Wohn­berech­ti­gung vergeben. Die bish­erige Quote von 30% ist dem Mieter­vere­in deut­lich zu niedrig.

BI Tegel schließen: Die Stad­ten­twick­lungsver­wal­tung will ein urbanes, nach­haltiges und zukun­ftsweisendes Quarti­er dort erricht­en. Was heißt das konkret?
Rein­er Wild: Nicht nur bei ein­er Kom­plettver­gabe an städtis­che Woh­nung­sun­ternehmen muss die städte­bauliche und architek­tonis­che Vielfalt und die Nutzungsmis­chung sichergestellt wer­den. Anson­sten ist die Frage bess­er an die zuständi­ge Sen­atsver­wal­tung zu richt­en. Hierzu konkrete Vorschläge zu machen über­schre­it­et die Kom­pe­tenz eins Mieter­vere­ins.
BI Tegel schließen: Wo genau sollen die Sied­lun­gen gebaut wer­den?
Rein­er Wild: In der Nähe zu Hal­testellen von U- und S-Bahn. Eine Erweiterung beste­hen­der Wohnge­bi­ete außer­halb des bish­eri­gen Gelän­des sollte geprüft wer­den.

BI Tegel schließen: Für wen wer­den die Woh­nun­gen drin­gend gebraucht?
Rein­er Wild: In erster Lin­ie wer­den zusät­zliche Woh­nun­gen für Haushalte mit unter­durch­schnit­tlichen Einkom­men und für Haushalte mit beson­deren Zugangss­chwierigkeit­en am Woh­nungs­markt gesucht. Natür­lich gibt es auch Haushalte mit hohem Einkom­men, die Woh­nun­gen suchen. Sie kön­nen sich aber in der Regel ohne beson­dere Hil­fen selb­st gut ver­sor­gen.

BI Tegel schließen: Auch im Umfeld von Tegel wird sich einiges tun. Wo sehen sie beson­ders span­nende Pro­jek­te?
Rein­er Wild: Durch den Weg­fall des Fluglärms kön­nen sich auch in Span­dau, Wed­ding und Pankow neue Entwick­lun­gen ergeben. Für das dor­tige Kauf- und Miet­preis­niveau wird sich das aber ver­teuernd auswirken. Ob das span­nend wird, sei dahingestellt.

BI Tegel schließen: Wäre das was für Sie, eine Woh­nung in dem neuen Tegel-Quarti­er?
Rein­er Wild: Nein, ich lebe gerne im Süden der Stadt und beab­sichtige nicht umzuziehen.

BI Tegel schließen: Vie­len Dank für das Gespräch!

Pressemitteilung: Mieterverein empfiehlt beim Volksentscheid „Nein“