Überwiegend innerdeutsche Städteflüge von und nach Tegel

Ein Kommentar von Y. Karow, Einflugschneise Spandau

Wer z. B. mit flightradar 24 die Flugbewegungen von und nach Tegel verfolgt, weiß schon lange, was gestern auch der Tagesspiegel festgestellt hat: Es handelt sich fast immer um innerdeutsche Städteflüge, z. B. nach Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Nürnberg und: insbesondere nach München (!). Allesamt Ziele, die u.a. wesentlich umweltschonender mit der Deutschen Bahn zu erreichen sind. D. h. diejenigen, die am Sonntag mit “Ja” gestimmt hatten (für die Offenhaltung Tegels), werden mit Sicherheit enttäuscht sein, wenn sie feststellen müssen, daß es mitnichten darum geht, für “die Berliner” Tegel offen halten zu wollen, sondern für die Czajas, Lindners und Grüttgers sowie Geschäftsreisenden, die es lediglich schneller und bequemer als in der Bahn haben wollen. Von Tegel bis in die FDP-Parteizentrale in der Reinhardtstraße sind es, wenn kein Stau ist, lediglich zehn Autominuten. Dafür sind sie ohne Skrupel bereit, die Wohn- und Lebensqualität von Hunderttausenden zu opfern. Zynisch ist, wer behauptet, mit Lärmschutz wäre die Sache erledigt: Flugzeuglärm ist nicht nur in den Häusern, sondern vor allen Dingen draußen: Wer bitte kann einen Lärmschutz bereit stellen für Spielplätze, Sportanlagen, Pausenhöfe, Parkanlagen, Straßencafes, Gärten, Balkone, Terrassen …. ?

Stellungnahme zum Ergebnis des Volksentscheids

Stellungnahme der Bürgerinitiative »Tegel endlich schließen« zum Ergebnis des Volksentscheids

56 % der Berliner Wähler haben gestern ihr Kreuz bei JA gemacht. Das haben wir zur Kenntnis genommen und sind traurig darüber.

Aber was haben die 56 % denn damit ausdrücken wollen? Wie wir ja vorher immer gehört haben, gab es viele verschiedene Motive, beim VE mit JA zu stimmen. Ein Teil der Wähler wollte wirklich fuer die Offenhaltung von Tegel stimmen. Aber ein erheblicher Teil hat nicht deshalb JA gesagt, sondern aus ganz anderen Gründen. Viele wollten ihren Unmut über das BER-Desaster ausdruecken, manche wollten Herrn Müller eins auswischen, andere protestierten gegen die Verkehrspolitik der Grünen und nicht zuletzt sind da diejenigen, die Angst vor Mieterhöhungen haben.

Wieviele bleiben denn da wirklich noch übrig, die wirklich den Flughafen Tegel aus den von der Czaja-FDP, der AfD und der Trittbrettfahrer-CDU genannten Gründen offen halten wollen?

Sind es 45 % oder sogar noch weniger?

Wir von der BI Tegel endlich schliessen kämpfen deshalb weiter für unsere Kernforderung:

TEGEL MUSS SCHLIESSEN

Wir fordern den Berliner Senat, die Landesregierung von Brandenburg und die Bundesregierung als Gesellschafter der FBB auf, Wort zu halten und das an die Laermgeplagten Anwohner gegebene Versprechen einzuloesen.

Der Flugverkehr hat die Lebensqualität in Pankow erheblich eingeschränkt

von Ruth Misselwitz (ehem. Pfarrerin der Ev. Kirch Alt-Pankow)

Ruth Misselwitz

Ich wohne seit 40 Jahren in Pankow. Anfangs habe ich den Fluglärm kaum wahrgenommen, da habe ich am U-Bahnhof Vinetastr. gewohnt. Seit 1991 wohne ich im Zentrum von Pankow direkt unter der Einflugschneise. Auch hier war es damals für mein Empfinden noch auszuhalten, hat man doch schon über die Schließung von Tegel verhandelt. Inzwischen ist der Lärm zu einer entsetzlichen Plage geworden. Tag und Nacht donnern im Minutentakt die Maschinen, die immer größer werden, über unsere Köpfe hinweg. Den Balkon, den Garten oder die Terrasse zu nutzen, ist kaum mehr möglich. Der Flugverkehr hat die Lebensqualität in Pankow erheblich eingeschränkt weiterlesen

Gedanken zu einem sterbenden Flughafen

Von Arild Brock, Künstler und Soziologe (Berlin-Pankow)

Berliner Flughafengefühle
Arild Brock

Eine „gefühlte Ewigkeit“ hat sich der neue BER Flughafen verzögert. Auf dieses Gefühl können sich die Berliner bestimmt einigen. Dann ist aber auch Schluss mit der gefühlten Einigkeit. Betreffend weitere Gefühle tritt in erster Reihe der Ärger der 300 000 von dem Fluglärm Tegels direkt betroffenen Anwohner auf. Sie mögen den Lärm nicht, und wollen deshalb den erwähnten Flughafen auch nicht weitergetrieben sehen. Gefühlt, Gedanken zu einem sterbenden Flughafen weiterlesen