Offener Brief an Stadtrat Andreas Otti

Offener Brief vom 18. Januar 2017 an Andreas Otti, Stadtrat für Facility Management, Umwelt- und Naturschutz im Bezirksamt Spandau von Berlin

Autor: Rolf-Roland Bley, Mit­glied der Flug­lärm­schutz­kom­mis­si­on für den Flug­ha­fen Ber­lin-Tegel

Sehr geehr­ter Herr Otti,

mit Befrem­den habe ich in der Sit­zung der Flug­larm­schutz­kom­mis­si­on am 12. Janu­ar 2017 Ihr Bekennt­nis zum Wei­ter­be­trieb des Flug­ha­fens Ber­lin-Tegel auf­ge­nom­men. Sie ver­tre­ten ein­deu­tig das Wahl­pro­gramm der AfD, das den wei­te­ren Betrieb des Flug­ha­fens Ber­lin Tegel for­dert.

Tegel ist nicht nur der Flug­ha­fen der kur­zen Wege, son­dern auch der Flug­ha­fen umfang­rei­cher Pro­ble­me! Für die­sen Flug­ha­fen hat es nie ein ordent­li­ches Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach deut­schem Recht gege­ben.

Seit Jah­ren lei­den zehn­tau­sen­de Anwoh­ner in Mit­te, Pan­kow, Rei­ni­cken­dorf und Span­dau Tag und Nacht unter Lärm und Dreck des Flug­be­triebs. Im Nah­be­reich der Lan­de­bah­nen wer­den im- mer wie­der Schäden an Dächern und Gebau­de­tei­len von Wohn­häu­sern durch Wir­bel­schlep­pen lan­den­der Flug­zeu­ge ver­ur­sacht. Es ist ein Wun­der, dass es bis­her noch zu kei­nen Personenschäden gekom­men ist.

Die Flug­lärm­schutz­kom­mis­si­on ist kein Podi­um fur eine Wei­ter­be­triebs-Debat­te. Die Fak­ten sind klar, ein­deu­tig und unwi­der­ruf­lich: Im Kon­sens­be­schluß vom 28. Mai 1996 wur­de fest­ge­legt und war auch Vor­aus­set­zung fur die Bau­ge­neh­mi­gung für BBI (jetzt BER) in Schönefeld, dass die innerstädtischen Flughäfen Tem-pel­hof und Tegel geschlos­sen wer­den. Tem­pel­hof been­de­te den Flug­be­trieb am 30. 10. 2008; Tegel muss spä­tes­tens 6 Mona­te nach der Inbe­trieb­nah­me von BER geschlos­sen wer­den. Die Ber­li­ner Flug­ha­fen-Gesell­schaft mbH hat am 16. Novem­ber 2001 bei der Senats­ver­wal­tung fur Stadt­ent­wick­lung bean­tragt, „dass die luft­recht­li­che Geneh­mi­gung und die luft­recht­li­che Plan­fest­stel­lung fur den Ver­kehrs­flug­ha­fen Ber­lin-Tegel sechs Mona­te nach … usw. rechts­un­wirk­sam wird.“

Als Kon­se­quenz erging neben dem sog. Schlie­ßungs­be­scheid am 2. Febru­ar 2006
der Bescheid uber die Ent­las­sung der Anla­gen und Fla­chen des Flug­ha­fens Ber­lin-Tegel aus der luft­ver­kehrs­recht­li­chen Zweck­be­stim­mung (Auf­he­bung der Plan­fest­stel­lung).
Die Ent­wid­mung ist seit dem 8. 8. 2008 bestands­kräf­tig (Mit­tei­lung des OVG Ber­lin- Bran­den­burg uber die Ruck­nah­me aller Kla­gen meh­re­rer Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men).

Die Flug­larm­kom­mis­si­on (dama­li­ge Bezeich­nung) hat in der 39. Sit­zung am 26. Febru­ar 2004 gemaß Auf­for­de­rung der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung – Ref. VII G 3 – zur Stel­lung- nah­me der von der BFG bean­trag­ten Schlie­ßung des Flug­ha­fens Ber­lin-Tegel mehr­heit­lich zuge­stimmt.

Eben­so hat das Bezirks­amt Span­dau – Bau 3 Um FL – im Anhörungsverfahren „aus­druck­lich die Still­le­gung des Flug­ha­fens zum nächst­mög­li­chen Ter­min, umfas­send mit Been­di­gung jeg­li­chen Flug­ver­kehrs, begrüßt.“ Auf­grund der Rechts­la­ge und Fak­ten fehlt mir des­halb jedes Ver­stand­nis für Ihr Ansin­nen.

Mit freund­li­chen Gru­ßen
Rolf-Roland Bley


Antwortschreiben von Herrn Andreas Otti

Sehr geehr­ter Herr Bley,

der Schutz der Bevöl­ke­rung vor Flug­lärm hat für mich aller­höchs­te Prio­ri­tät. Bei der Pla­nung und Nut­zung der Ber­lin tan­gie­ren­den Flug­rou­ten ist ein maxi­ma­ler Ziel­er­rei­chungs­grad i.V.m. Lärm­schutz zu erwir­ken.

Ich unter­stüt­ze daher nicht nur die For­de­rung zahl­rei­cher Bür­ger­initia­ti­ven nach einer Neu­ver­hand­lung der oben genann­ten Flug­rou­ten. Ich set­ze mich für eine umfas­sen­de Trans­for­ma­ti­on des Luft­ver­kehrs im Sin­ne eines über­grei­fen­den Lärm­schut­zes ein.

Sei­tens des Bezirks­am­tes Abtei­lung Faci­li­ty Manage­ment, Umwelt- und Natur­schutz gibt es kei­ne Plä­ne hin­sicht­lich der von Ihnen dar­ge­leg­ten Absich­ten zur Offen­hal­tung TXL. Das Pro­to­koll der Sit­zung der Flug­lärm­kom­mis­si­on vom 12. Janu­ar 2017 zeigt Ihnen noch­mals alle bespro­che­nen The­men­fel­der auf.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Andre­as Otti


Ein Kommentar:

Ottis Aus­kunft dar­über, dass es sei­tens des Bezirks­am­tes, Abtei­lung Faci­li­ty Manage­ment,
Umwelt- und Natur­schutz, kei­ne Absich­ten zur Offen­hal­tung von TXL gibt, klingt zunächst
beru­hi­gend. Die­se Tat­sa­che ent­spricht auch der ver­bind­li­chen Beschluss­la­ge der
Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) Span­dau aus meh­re­ren vor­an­ge­gan­ge­nen
Wahl­pe­ri­oden.

Aber:

Wie trennt Herr Otti sei­ne dienst­li­che Hal­tung von sei­ner per­sön­li­chen Ein­stel­lung als
Spre­cher des AfD-Bezirks­ver­bands Span­dau? Dort wird im Wahl­pro­gramm 2016 ein­deu­tig
der Wei­ter­be­trieb des Flug­ha­fens Tegel gefor­dert.

Unklar ist in der nebu­lö­sen Stel­lung­nah­me, mit wel­chen Flug­rou­ten sich Herr Otti befas­sen
will. Sind es die der­zeit prak­ti­zier­ten Rou­ten für TXL und SXF, oder die künf­ti­gen für BER?
Oder meint er die Flug­be­we­gun­gen über sei­ner Wahl­hei­mat Span­dau?

Ich unter­stel­le, dass er über­haupt nicht weiß, wor­über er schreibt. Die Ent­wick­lung
jeg­li­cher Flug­rou­ten durch die Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH (DFS), die Erör­te­run­gen in
den betrof­fe­nen Gemein­we­sen, die Bera­tun­gen in den jewei­li­gen Flug­lärm­kom­mis­sio­nen
und letzt­lich die Fest­le­gung (Geneh­mi­gung) durch das Bun­des­auf­sichts­amt für
Flug­si­che­rung (BAF) erfor­dern weit über ein Jahr! Bezüg­lich der BER-Flug­rou­ten wur­de
über­dies vor Gericht gestrit­ten.

Ganz offen­sicht­lich hat Otti aus dem “Wahl­pro­gramm der AfD Ber­lin zur Abge­ord­ne­ten­haus­wahl 2016” von der Sei­te 19 ein­fach eini­ge Zei­len kopiert und in der Ich-Form etwas abge­wan­delt als Ant­wort an mich ver­wen­det.

Im Übri­gen liegt das Pro­to­koll der Sit­zung am 12. Janu­ar 2017 noch nicht vor und steht
erst zur nächs­ten Sit­zung der Flug­lärm­schutz­kom­mis­si­on, vor­aus­sicht­lich am 12. Okto­ber 2017, zur Ver­fü­gung.

Rolf-Roland Bley
Bür­ger­initia­ti­ve gegen das Luft­kreuz auf Stadt­flug­hä­fen

2 Gedanken zu „Offener Brief an Stadtrat Andreas Otti

  1. Guten Tag ,
    ange­sichts der neu­en “ter­ro­ris­ti­schen Welt” aktu­ell soll­te der Flug­ha­fen auf jeden Fall, aus grün­den der Sicher­heit, aus der Stadt ver­bannt wer­den. Als wei­te­res wäre es schön auch die Bür­ger aus dem Bereich Havel­land /Falkensee mit in eine mög­li­che Unter­schrif­ten­samm­lung bzw. Initia­ti­ve ein­zu­bin­den da dort die Flug­li­nie durch­führt und bereits der Lan­de­an­flug ein­ge­lei­tet wird. Soll­te im Bereich des Lan­de­an­flug ein­mal ein Unglück pas­sie­ren wäre es für Fal­ken­see und Span­dau kata­stro­phal. Als kurz zusam­men­ge­fasst heißt es Tegel schlie­ßen wegen der Sicher­heit und dem Lärm.
    MfG Ingo

    1. Klas­se Idee, dann schlie­ßen wir mal wegen der ter­ro­ris­ti­schen Gefahr vor­sorg­lich noch alle U-Bahn­hö­fe, füh­ren Aus­weis­kon­trol­len in Ein­kaufs­zen­tren ein, ver­kau­fen kei­ne Mes­ser mehr und LKWs wer­den sowie­so ver­bo­ten… Dass es noch zu kei­nen Flug­un­fäl­len im Anflug­be­reich nach Tegel gekom­men ist, ist kein Wun­der son­dern u.a. den außer­ge­wöhn­lich hohen Sicher­heits­stan­dards, die im Flug­ver­kehr welt­weit gel­ten, geschul­det. Es gibt Flug­hä­fen, die weit schwie­ri­ger anzu­flie­gen sind, auf die aber trotz­dem nicht ver­zich­tet wird.
      Fal­ken­se­er und Dall­go­wer Bür­ger mit­ab­stim­men zu las­sen fän­de ich super. Bei mei­ner Freun­din in Dall­gow genie­ßen wir das An- und Abflie­gen der Maschi­nen vom Gar­ten aus und auch dort ist der Flug­ha­fen Tegel sehr geschätzt, nicht zuletzt, weil die Anfahrt­we­ge nach Schö­ne­feld trotz Air­port “Express” unzu­mut­bar lang sind.

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