Exklusiv-Interview mit Michael Müller

Welche Position vertritt Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin? Hier die Antwort auf eine schriftliche Anfrage der BI-Tegel endlich schließen an Michael Müller vom 29. 5. 2017.

BI-Tegel end­lich schlie­ßen: In Ihrer Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung hat die Koali­ti­on für die Nach­nut­zung des TXL-Gelän­des die pla­ne­ri­sche Vor­be­rei­tung des Kurt-Schu­ma­cher-Quar­tiers als For­schungs- und Indus­trie­park mit einem Cam­pus der Beuth-Hoch­schu­le, einem Standt­ort für Krea­tiv­wirt­schaft und den Bau tau­sen­der Woh­nun­gen ver­spro­chen. Seit­dem fest­steht, dass der von der FDP initi­ier­te und der AfD unter­stütz­te Volks­ent­scheid am 24.09.2017 kommt, sind die betrof­fe­nen Anwoh­ner, Woh­nungs­su­chen­den, Stu­den­ten und Stadt­pla­ner erheb­lich ver­un­si­chert. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat der anste­hen­de Volks­ent­scheid auf den aktu­el­len Fort­gang der Pla­nun­gen; wer­den sie wei­ter vor­an­ge­trie­ben oder kommt es zu einem Erlie­gen bis zum Volks­ent­scheid?
Micha­el Mül­ler: Die recht­li­che und pla­ne­ri­sche Situa­ti­on ist heu­te kei­ne ande­re, als vor einem Jahr. Die Pla­nun­gen für die Nach­nut­zung des Flug­ha­fens Tegel wer­den fort­ge­setzt. Der Volks­ent­scheid, kann den Schlie­ßungs­be­schluss der drei Gesell­schaf­ter Bund, Ber­lin und Bran­den­burg für Tegel nicht auf­lö­sen. Die Welt am 25. Sep­tem­ber wird die glei­che sein wie die am 24. Sep­tem­ber. Was die FDP hier betreibt, ist die Ver­un­si­che­rung brei­ter Tei­le der Bevöl­ke­rung.

BI-Tegel end­lich schlie­ßen: Die Ein­woh­ner­zahl in den betrof­fe­nen Bezir­ken Span­dau, Rei­ni­cken­dorf und Pan­kow ist in den letz­ten 10 Jah­ren von rd. 810.000 auf rd. 899.000, also um 11 % gewach­sen. Von den rd. 100.000 neu­en Anwohner*innen sind vie­le im Ver­trau­en auf die Sta­bi­li­tät des 1996 beschlos­se­nen „Sin­gle-Air­port-Kon­zept“ in neue Sied­lun­gen und Wohn­an­la­gen in die unmit­tel­ba­re Nähe des Flug­lärms gezo­gen. Seit dem Bekannt­wer­den der Ergeb­nis­se des Volks­be­geh­rens und ers­ter ber­lin­wei­ter Umfra­ge­er­geb­nis­se fürch­ten die­se Fami­li­en um die Sta­bi­li­tät ihrer Wohn- und Lebens­pla­nung, zumal poli­ti­sche Akti­vi­tä­ten der Koali­ti­ons­par­tei­en zur Beein­flus­sung des Volks­ent­scheids bis­lang nicht erkenn­bar waren. Was pla­nen der Senat und die Ber­li­ner SPD, um für die TXL-Schlies­sung nach Fer­tig­stel­lung des BER öffent­lich­keits­wirk­sam zu wer­ben?
Micha­el Mül­ler: Wir machen bei jeder Gele­gen­heit deut­lich, dass der Senat zu den Zusa­gen, die wir den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern gegen­über gemacht haben, die vom Flug­lärm, von Abga­sen und der Gefahr eines Abstur­zes direkt über dem Stadt­ge­biet betrof­fen sind, ste­hen wird. Der Flug­ha­fen Tegel wird geschlos­sen.“

BI-Tegel end­lich schlie­ßen: Die Ber­li­ner Wähler*innen fra­gen sich, wel­che Aus­wir­kun­gen der Volks­ent­scheid auf die Zukunft von TXL haben wird. Für die Ver­tre­ter bei­der Posi­tio­nen geht es um das Grund­ver­trau­en in unse­ren Rechts­staat, in das Par­tei­en­sys­tem und in die Glaub­wür­dig­keit der Wil­len­bil­dungs­in­stru­men­te unse­res demo­kra­ti­schen Gemein­we­sens. Ist es des­halb nicht gebo­ten, bereits vor der Abwick­lung des Volks­ent­scheids Klar­heit über die Zukunft von TXL zu schaf­fen und nach­voll­zieh­bar zu begrün­den, war­um Tegel auf jeden Fall und unab­hän­gig vom Ergeb­nis des Volks­ent­scheids nach BER-Fer­tig­stel­lung geschlos­sen wer­den muss?
Micha­el Mül­ler:  Gera­de in den letz­ten Wochen und Tagen, im Abge­ord­ne­ten­haus und zuletzt bei einer Ver­an­stal­tung der IHK haben der Senat, die SPD-Frak­ti­on und ich sel­ber noch ein­mal klar begrün­det, war­um die Tegel-Kam­pa­gne der FDP eine Fal­le ist und das Volks­be­geh­ren nicht zur Offen­hal­tung Tegels füh­ren kann. Im Par­la­ment haben die Unter­stüt­zer, beson­ders die FDP und auch die CDU, die 2016 noch für die Schlie­ßung gewor­ben hat, kei­ne Anstren­gun­gen unter­nom­men, einen Geset­zes­ent­wurf zur Schlie­ßung vor­zu­le­gen. Sie wis­sen wes­halb sie das nicht tun, denn der wäre nicht rechts­kon­form. Dann wür­de auf­flie­gen, dass die Kam­pa­gne eine ech­te Luft­num­mer ist. Es geht hier nur um Stim­mungs­ma­che zur Bun­des­tags­wahl, wie schon vor­her zur Abge­ord­ne­ten­haus­wahl. Das ist unver­ant­wort­lich, weil es Erwar­tun­gen weckt, die nie­mand hal­ten kann.