Der Flugverkehr hat die Lebensqualität in Pankow erheblich eingeschränkt

von Ruth Mis­sel­witz (ehem. Pfar­re­rin der Ev. Kirch Alt-Pan­kow)

Ruth Mis­sel­witz

Ich woh­ne seit 40 Jah­ren in Pan­kow. Anfangs habe ich den Flug­lärm kaum wahr­ge­nom­men, da habe ich am U-Bahn­hof Vine­ta­str. gewohnt. Seit 1991 woh­ne ich im Zen­trum von Pan­kow direkt unter der Ein­flug­schnei­se. Auch hier war es damals für mein Emp­fin­den noch aus­zu­hal­ten, hat man doch schon über die Schlie­ßung von Tegel ver­han­delt. Inzwi­schen ist der Lärm zu einer ent­setz­li­chen Pla­ge gewor­den. Tag und Nacht don­nern im Minu­ten­takt die Maschi­nen, die immer grö­ßer wer­den, über unse­re Köp­fe hin­weg. Den Bal­kon, den Gar­ten oder die Ter­ras­se zu nut­zen, ist kaum mehr mög­lich.

Wir haben an unse­rem Gemein­de­haus einen wun­der­schö­nen Gar­ten, in dem die Kin­der aus dem Kin­der­gar­ten ihren Spiel­platz haben. Zu dem übli­chen Lärm kom­men bei man­chen Staats­be­su­chen noch zusätz­li­che Ängs­te hin­zu.

Wenn beglei­ten­de Kampf­flug­zeu­ge über den Him­mel don­nern, wer­fen sich man­che Kin­der vor Schreck flach auf den Boden. Frü­her konn­ten wir noch mit Gesprächs­grup­pen und Krei­sen im Gar­ten tagen – das ist heu­te nicht mehr mög­lich. Der Flug­ver­kehr hat die Lebens­qua­li­tät in Pan­kow erheb­lich ein­ge­schränkt. Der Lärm und der Dreck, der aus den Maschi­nen über Pan­kow abge­wor­fen wird, ver­gif­tet die Atmo­sphä­re.

Wie haben wir uns auf den Tag gefreut als vor 5 Jah­ren der Flug­ha­fen BER eröff­net und Tegel geschlos­sen wer­den soll­te. Nun wer­den wir von einem Jahr zum ande­ren ver­trös­tet und die Dich­te des Flug­ver­kehrs nimmt stän­dig zu. Und was ich nie­mals für mög­lich gehal­ten hät­te – nun gibt es poli­ti­sche Kräf­te, die aus rei­nen macht­po­li­ti­schen Inter­es­sen über die Offen­hal­tung von Tegel abstim­men wol­len, obwohl das gan­ze Ver­fah­ren rein recht­lich gar nicht geht.

Das wäre in etwas so, wie wenn man Kin­der über die Abschaf­fung der Schul­pflicht abstim­men las­sen wür­de – mit Sicher­heit käme dafür eine sat­te Mehr­heit zustan­de, es ist aber recht­lich nicht durch­setz­bar — geschwei­ge denn für die Kin­der von Nut­zen.

Die gan­ze Dis­kus­si­on über den Flug­ha­fen Tegel hat die Ber­li­ner Bevöl­ke­rung gespal­ten in Nord und Süd, in Ost und West, in Befür­wor­ter und Geg­ner. Das ist etwas, was wir hier in unse­rer Stadt über­haupt nicht gebrau­chen kön­nen. Wir haben wirk­lich ande­re Pro­ble­me, die ange­packt und gelöst wer­den müs­sen. Was mich an der gan­zen Dis­kus­si­on zutiefst empört, ist die feh­len­de Soli­da­ri­tät die­ser Poli­ti­ker mit uns, den Betrof­fe­nen in Pan­kow, Reni­cken­dorf und im Wed­ding. Da kommt so eine Spaß- und Spiel­par­tei wie die FDP daher und tes­tet mal aus, was an Emo­tio­nen so akti­viert wer­den kann, um Stim­men zu fan­gen,
ohne auch nur im Gerings­ten die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Fol­gen zu berech­nen.

Und die Ber­li­ner CDU springt mit der AFD und ande­ren Spiel­ka­me­ra­den auf die­sen Wagen auf, um dann fröh­lich pfei­fend in ein schreck­li­ches Desas­ter zu fah­ren. Wer so ego­is­tisch und unso­zi­al agiert, darf kei­ne poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung über­neh­men.

Wir brau­chen eine Gesell­schaft, wir brau­chen Ber­li­ner Bür­ger und Bür­ge­rin­nen, die nicht nur auf ihren eige­nen Vor­teil und ihr eige­nes Ver­gnü­gen bedacht sind, son­dern die ein Mit­ge­fühl ent­wi­ckeln, die Empa­thie emp­fin­den für die­je­ni­gen, die unter bestimm­ten Bedin­gun­gen lei­den. Wir brau­chen eine sozia­le Grund­hal­tung, in der man sich mit den Betrof­fe­nen soli­da­ri­siert. Die­ser Flug­ha­fen Tegel ist für uns, die wir hier leben und woh­nen eine schreck­li­che Zumu­tung und wir erwar­ten von den Poli­ti­kern und den übri­gen Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­nern, dass sie das wahr­neh­men und unse­re Stim­me ernst neh­men.

4 Gedanken zu „Der Flugverkehr hat die Lebensqualität in Pankow erheblich eingeschränkt

  1. Lärm uner­träg­lich geworden!Ich Bestä­ti­ge jeder Sil­be in die­se Kom­men­tar von Frau Ruth,Danke ihr,sie alles gesagt,was in unse­ren Her­zen liegt! Wun­sche uns allen die­sen schwie­ri­ge Aus­ga­be Lösen mit Erfolg!!!

  2. Lie­be Frau Mis­sel­witz, dan­ke für Ihren Bei­trag. Sie spre­chen mir aus dem Her­zen. Die Argu­men­te, die für das Ein­hal­ten des Wahl­ver­spre­chens Tegel zu schlie­ßen spre­chen, sind für intel­li­gen­te und mit­füh­len­de Men­schen nach­voll­zieh­bar und zwin­gend. Auch ich erwar­te von Poli­ti­ke­rin­nen, dass sie ver­ant­wor­tungs­be­wusst han­deln und regie­ren. Kin­der kön­nen sich gegen den Lärm und Kero­sin­be­las­tung noch nicht weh­ren. Aber wir wer­den uns von den Kin­dern und Enkel­kin­dern fra­gen las­sen müs­sen, was wir gegen popu­lis­ti­sche Akteu­re und die­ses Desas­ter getan haben. Dass schein­ba­re Mehr­hei­ten ins Desas­ter füh­ren kön­nen, dies haben Genera­tio­nen vor uns ja schon ein­mal erlebt.

Kommentare sind geschlossen.