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Abschied vom TXL „Tegel endlich schließen“

Der Flug­ha­fen Ber­lin Tegel ist end­lich geschlos­sen und kein Flug­ha­fen mehr. Er ist nun Geschich­te und wird zum Objekt der Erin­ne­rung. Der Him­mel gehört wie­der den Men­schen aus Pan­kow, Span­dau, Rei­ni­cken­dorf und ande­ren Orts­tei­len, die unter dem ste­tig wach­sen­den Flug­lärm und ande­ren Beein­träch­ti­gun­gen durch den Flug­ha­fen TXL  Jahr­zehn­te lang gelit­ten haben. Sie wer­den sich trotz­dem noch lan­ge dar­an erin­nern, weil ihr Tin­ni­tus, die Herz­rhyth­mus- und Schlaf­stö­run­gen wei­ter bestehen.

Himmel

Jetzt ist end­lich Ruhe, weil vie­le Men­schen beharr­lich die Poli­ti­ker dar­an erin­nert haben, dass Ver­läss­lich­keit eine hohe Tugend und eine Ver­pflich­tung den Men­schen gegen­über dar­stellt. Die Mitstreiter*innen in den Bür­ger­initia­ti­ven haben den Anspruch ver­tre­ten, dass Rück­sicht­nah­me und Moral min­des­tens genau­so hohe Güter sind wie das Recht. Poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen zum Schutz von Men­schen vor über­mä­ßi­ger gesund­heit­li­cher Gefähr­dung haben das glei­che Recht auf Durch­set­zung wie ein Gerichts­ur­teil. Der Arti­kel 2 unse­res Grund­ge­set­zes ist hier­zu der Maß­stab. Die Gerich­te ent­schei­den „nur“ über die Recht­mä­ßig­keit, nicht aber über die Zweck­mä­ßig­keit oder mora­li­sche Berech­ti­gung von poli­ti­schen Entscheidungen.

Das der TXL heu­te geschlos­sen wird zeigt, dass nicht die­je­ni­gen Recht haben, die am lau­tes­ten schrei­en, son­dern die­je­ni­gen, wel­che die Fak­ten und Moral auf ihrer Sei­te haben. Die Art, wie die Kam­pa­gne um die Offenhaltung/Schliessung des Flug­ha­fens TXL von den „Tegel-Ret­tern“ geführt wur­de hat offen­bart, wie es um die (Un-)Fähigleit der sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung in Tei­len unse­rer Gesell­schaft bestellt ist. Da war kei­ne Lüge, kei­ne Ver­dre­hung von Tat­sa­chen, kei­ne Ver­un­glimp­fung gut genug, um als „Argu­ment“ für die Offen­hal­tung des TXL benutzt zu wer­den. Selbst vie­le „Gut­ach­ter“ haben sich dazu ver­stie­gen, den Men­schen fal­sche Hoff­nun­gen auf die Mög­lich­kei­ten zum Wei­ter­be­trieb des TXL zu machen, indem sie die de fac­to unüber­wind­ba­ren recht­li­chen Hür­den und Risi­ken bewusst her­un­ter gespielt oder ver­schlei­ert haben. Eine mora­li­sche Bewer­tung hat gar nicht erst statt­ge­fun­den. Sie haben dadurch auch zu einer Radi­ka­li­sie­rung der „Tegel-Ret­ter“ beigetragen.

Die Leh­re für die Poli­tik lautet:

Wer zu lan­ge war­tet, wird von den Popu­lis­ten und Ver­schwö­rern über­rollt. Man darf das Feld nicht den Lüg­nern und Tat­sa­chen­ver­dre­hern über­las­sen, son­dern muss unmit­tel­bar und ent­schlos­sen reagie­ren und dage­gen hal­ten. Die Kam­pa­gne der „Tegel-Ret­ter“ war eine Para­de­bei­spiel dafür, wie poli­ti­sche Oppor­tu­nis­ten und Popu­lis­ten durch bewuss­te Emo­tio­na­li­sie­rung zur Radi­ka­li­sie­rung von Men­schen bei­tra­gen. Sie war auch ein unrühm­li­ches Bei­spiel dafür, wie ein Volks­be­geh­ren durch eine Par­tei miss­braucht wur­de, um sei­ne ego­is­ti­schen Zie­le zu erreichen.

Die Leh­re für uns Bür­ger­initia­ti­ven lautet:

Sich nicht von radi­ka­len Popu­lis­ten und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern ein­schüch­tern las­sen. Es geht dar­um, durch beharr­li­ches und sach­li­ches Argu­men­tie­ren die Ego­is­ten, Tat­sa­chen­ver­dre­her und Fak­ten­leug­ner in ihrer aso­zia­len und unmo­ra­li­schen Ver­hal­tens­wei­se zu entlarven.

Eigent­lich ist der Kampf nicht zu Ende. Zu vie­le Men­schen sind noch immer Opfer unfä­hi­ger oder unwil­li­ger Poli­ti­ker die sich als Ver­tre­ter einer Kli­en­tel ver­ste­hen, wel­che in
rück­sichts­lo­ser Manier wei­ter­hin das Grund­recht der Men­schen auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit mit Füßen tritt. Der Druck auf die Poli­tik kann nicht hoch genug sein, um sie zum Umden­ken zu einer ande­ren Ver­kehrs- und Umwelt­po­li­tik zu zwingen.

 

BER zu groß bei seiner Eröffnung

Lie­be Mitstreiter*innen,

das ist eine sehr gute Nach­richt die alle die­je­ni­gen Lügen straft die behaup­ten, der BER sei zu klein bei sei­ner Eröffnung.

Terminziel erreicht / BER-Terminal 2 ist betriebsbereit

Auf­grund der ein­ge­bro­che­nen Pas­sa­gier­zah­len benö­ti­gen wir das Ter­mi­nal nicht zur Eröff­nung des BER. Die FBB wird das T2 daher vor­aus­sicht­lich erst zum Som­mer­flug­plan 2021 in Betrieb nehmen.

https://www.berlin-airport.de/de/presse/presseinformationen/mitteilungen-archiv/2020/2020-09-25-ber-terminal-2-ist-betriebsbereit/index.php

Unser Kom­men­tar:

Hal­lo Herr Cza­ja und Ihre “Tegel-Ret­ter”,

ein Bil­lig­ter­mi­nal für die Bil­lig­flie­ger in kür­zes­ter Zeit ent­ge­gen aller Pro­gno­sen fer­tig­ge­stellt. Jetzt ist der BER sogar zu groß bei sei­ner Eröffnung.

So schnell wird man von den Rea­li­tä­ten ein­ge­holt. Na klar, das mit der Pan­de­mie war ja nicht vor­her­seh­bar. Aber was ist schon vorhersehbar?

Man hat eben nicht alles im Griff und Pro­gno­sen, auch sol­che den Flug­ver­kehr betref­fend, ste­hen immer auf wacke­li­gen Füssen.

Und trotz­dem wol­len man­che Poli­ti­ker immer schlau­er sein als alle ande­ren und posau­nen ihre Sprü­che in die Welt.

Sie kön­nen ger­ne das Licht aus­schal­ten, wenn der letz­te Flie­ger vom TXL abge­ho­ben hat.

Wir wün­schen Ihnen viel Erfolg, wenn Sie jetzt end­lich anfan­gen, sich um die wah­ren Pro­ble­me zu küm­mern, damit Ber­lin wie­der im alten Glanz erstrahlt.

Abschied von Tegel

Wenn die Radar-Antenne auf dem Tower stillsteht, wird Berlin etwas fehlen“

Als Jugend­li­cher freun­de­te er sich in Tegel mit Flug­ka­pi­tä­nen an, spä­ter war er sel­ber einer. Heu­te ärgert sich Tho­mas Kär­ger dar­über, dass der Flug­ha­fen schließt.

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/abschied-flughafen-tegel-flugkapitaen-thomas-kaerger-wenn-die-radar-antenne-auf-dem-tower-stillsteht-wird-berlin-etwas-fehlen-li.94942

Unser Kom­men­tar:

Die ers­te Hälf­te des Bei­tra­ges von Herrn Kär­ger ist ja ganz gut, weil er sei­ne Erleb­nis­se mit dem TXL aus der Per­spek­ti­ve eines Flug-Enthu­si­as­ten berichtet.

Aber dann kommt wie­der das übli­che Nostalgiegesabbel.

Vor allem die Aus­sa­ge, als es am TXL deut­lich zunahm (die Flug­be­we­gun­gen), hät­ten die generv­ten Anwoh­ner eben Kon­se­quen­zen zie­hen müs­sen. Herr Kär­ger meint natür­lich nicht die Art von Kon­se­quen­zen, die wir gezo­gen haben, er meint, dass die 300.000 Leu­te ja hät­ten unzie­hen kön­nen. Das ist eben genau die Schnö­se­lig­keit und Empa­thie­lo­sig­keit, die fast alle “Tegel-Ret­ter” aus­zeich­net. Eine sol­che Aus­sa­ge zeugt davon, wie schnell man
den Blick für die Rea­li­tät ver­liert, wenn man nicht über die Kon­se­quen­zen sei­nes Han­delns nach­denkt. Die Tegel-Befür­wor­ter sind eben nicht in der Lage, aus ihrer Gefühls­du­se­lei her­aus eine Zukunfts­per­spek­ti­ve zu ent­wi­ckeln. Statt­des­sen dis­qua­li­fi­zie­ren sie sich als arro­gant und her­ab­wür­di­gend gegen­über moder­nen Kon­zep­ten. Sie wer­fen den
Ver­ant­wort­li­chen genau das vor, was auf sie selbst am bes­ten zutrifft: Kei­ne Visi­on zu haben und rück­wärts­ori­en­tiert zu sein.

Sie neh­men auch ein­fach nicht zur Kennt­nis, dass in ande­ren Län­dern ganz ande­re Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den, wenn ein Flug­ha­fen im Stadt­ge­biet eine Zumu­tung für die Anwoh­ner gewor­den ist. Sie gehen dann raus und bau­en einen neu­en Flughafen
weit außer­halb der Stadt.

Offen­sicht­lich ist nie­mand in der Lage, einen ver­nünf­ti­gen Nach­ruf auf den Flug­ha­fen Ber­lin Tegel zu schreiben.

Der TXL war in schwie­ri­gen Zei­ten die Ver­sor­gungs­ver­bin­dung zum Über­le­ben der (West-)Stadt und dann das Tor zur Welt bis zur Wen­de. Er hat sei­ne Auf­ga­be mit Bra­vour erfüllt, obwohl er zuletzt fast aus den Fugen gera­ten ist. Er wird in Zukunft nicht nur eine neue Auf­ga­be haben und vie­len Ber­li­nern eine moder­ne Per­spek­ti­ve bie­ten. Er wird in sei­ner ein­ma­li­gen archi­tek­to­ni­schen Gestalt auch immer ein Denk­mal für eine Peri­ode der Ber­li­ner Geschich­te bleiben.

Endzeitstimmung auf dem Flughafen Tegel

Die Zahl der Pas­sa­gie­re auf dem Flug­ha­fen Tegel ist auf unter 1.000 gesun­ken. Den­noch soll der Flug­ha­fen noch eine Wei­le weitermachen.

Berlner Zeitung: https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/auf-dem-flughafen-tegel-herrscht-endzeitstimmung-li.81342

Unser Kom­men­tar:

Der Flug­ha­fen TXL wird momen­tan nicht mehr gebraucht und ver­ur­sacht nur noch Kos­ten. Das Ver­kehrs­auf­kom­men kann ohne Wei­te­res von Schö­ne­feld allei­ne bewät­ligt wer­den. Das gilt auch dann, wenn es tem­po­rär mal, aus wel­chem Grund auch immer, etwas mehr wer­den soll­te. Aber das BMVI will mit faden­schei­ni­gen Begrün­dun­gen TXL unbe­dingt offen halten.

Das BMVI ist ja noch nie mit inno­va­ti­ven Ideen zu einer moder­nen Ver­kehrs­po­li­tik auf­ge­fal­len. War­um soll­te es dann jetzt anders
sein.

Viel­leicht rufen wir die treu­en “Tegel-Ret­ter” zu einer Spen­den­ak­ti­on auf, wie bei den not­lei­den­den Restau­rants und Knei­pen. Man könn­te z. B. Blind­flü­ge buchen.”

Kaum noch Passagiere — trotzdem bleibt TXL zunächst offen.

300 Mil­lio­nen Euro Coro­na-Hil­fe für Ber­lins Flug­hä­fen. Nach­dem nun auch die für Ber­lin wich­tigs­te Air­line alle Flü­ge ein­stellt, gibt es Unterstützung.

Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/berlin/easyjet-streicht-alle-fluege-300-millionen-euro-corona-hilfe-fuer-berlins-flughaefen/25695990.html

Unser Kom­men­tar:

Die wei­te­re Offen­hal­tung des TXL in der Coro­na-Kri­se kos­tet die Gesell­schaf­ter 300 Mio. EUR im Monat für 15 Flug­be­we­gun­gen am Tag. Man gönnt sich ja sonst nichts in solchen
Zei­ten, wo Deutsch­land gera­de dabei ist, sei­ne Geld­re­ser­ven aus­zu­ge­ben. Da freut sich die Jun­ge Genera­ti­on, die das alles bezah­len muss.

Die FDP will auf Biegen und Brechen mit den alten »Argumenten« Tegel offen halten

Nach­dem die FDP auf Lan­des­ebe­ne damit geschei­tert ist, soll nun der Bun­des­tag und die Bun­des­re­gie­rung dafür ein­ge­spannt wer­den. Im Ver­kehrs­aus­schuss wur­de dazu mit Hil­fe der AfD eine Anhö­rung bewil­ligt. Das ist nicht nur ver­lo­gen, son­dern auch empö­rend. Auf Ein­la­dung der Par­tei Die Lin­ke wer­den wir im Ver­kehrs­aus­schuss dazu unse­ren Stand­punkt  dar­le­gen können.

Der Antrag:  Deut­scher Bun­des­tag, Druck­sa­che 19/13101

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/131/1913101.pdf

Pres­se­mit­tei­lung, Ber­lin, 14. Okto­ber 2019:

State­ment des Bünd­nis der Bür­ger­initia­ti­ven „Tegel schlies­sen – Zukunft öff­nen“ zum Antrag FDP Bun­des­tags­frak­ti­on Druck­sa­che 19/13101 „Kün­di­gung des Kon­sens­be­schluss zum BER durch die Bundesregierung“

Die Pressemitteilung als PDF

Nachtruhe am BER in greifbarer Nähe?

In der Dis­kus­si­on um mehr Nacht­ru­he am künf­ti­gen BER ist eine Eini­gung zwi­schen Ber­lin und Bran­den­burg in Sicht.

rbb 24: Kompromiss zur Nachtruhe am BER rückt in greifbare Nähe
Berliner Morgenpost: Eingeschränkte Zeiten rauben dem BER Entwicklungschancen

Unser Kom­men­tar dazu:

Wir als BI begrü­ßen es grund­sätz­lich, wenn die Poli­tik end­lich Maß­nah­men gegen einen schran­ken­los aus­ufern­den Flug­be­trieb ergreift. Lärm­schutz ist nicht nur ein The­ma für die Tegel-Anrai­ner, son­dern betrifft alle vom Flug­lärm betrof­fe­nen Menschen.

Die gegen eine sol­che Maß­nah­me aus wirt­schaft­li­chen Grün­den argu­men­tie­ren las­sen ger­ne wich­ti­ge Fak­ten außen vor. Da wird ein­fach nicht erwähnt, dass allein der inner­deut­sche Flug­be­trieb in Ber­lin die 8 Mio. Mar­ke des Pas­sa­gier­auf­kom­mens über­schrit­ten hat. Da steckt also viel Streich­po­ten­zi­al drin.

Es ist rich­tig, dass die Gerich­te zu bestimm­ten Zei­ten den Men­schen Flug­be­we­gun­gen zumu­ten. Unter den Begriff Flug­be­we­gun­gen fal­len Starts und Lan­dun­gen. Das Ver­bot von Starts zu bestimm­ten Zei­ten von vorn­her­ein als recht­lich nicht zuläs­sig zu dekla­rie­ren ist daher mehr als fragwürdig.

Übri­gens wird schon an vie­len ande­ren Flug­hä­fen das prak­ti­ziert, was jetzt für den Flug­be­trieb am BER zum Schutz der Anwoh­ner ange­dacht wird. Am Flug­ha­fen Lon­don Heathrow wer­den zu bestimm­ten kri­ti­schen Zei­ten den Flug­ge­sell­schaf­ten Lärm­kon­tin­gen­te zuge­bil­ligt. Des­halb wer­den sol­che Zei­ten über­wie­gend für Lan­dun­gen genutzt. Dem Wachs­tum am Flug­ha­fen Heathrow hat dies über­haupt nicht gescha­det, wie die Sta­tis­ti­ken beweisen.

Es stän­de daher auch den Kom­men­ta­to­ren in den Medi­en gut zu Gesicht, statt kri­tik­los den Stand­punkt der Flug­lob­by zu ver­tre­ten, etwas krea­ti­ver zu sein. Der BER wird auch mit weni­ger Flug­lärm zwi­schen 5 bis 6 Uhr schnel­ler wach­sen, als man­cher sich vor­stel­len kann