2000 Tage BER-Nichteröffung

Ein Kommentar von Klaus Dietrich zu zwei Artikeln in der Berliner Zeitung und im Tagesspiegel:

Tagesspiegel
2000 Tage BER-Nichteröffnung: Was rund um den Flughafen sonst noch Ärger macht

Berliner Zeitung
Flughafen BER: 2000 Tage Warten auf die Eröffnung

BER TÜV-Mängelbericht

Was ist eigentlich los am BER? Nun taucht wieder einmal in der Presse ein Bericht auf, der wesentliche Technik-Mängel auflistet, die eine Eröffnung des BER in noch weitere Ferne rücken sollen.

Die FBB sah sich zu einer Stellungnahme genötigt, was ein klarer Beweis für die schlechte Informationspolitik ist. Was wir in der Stellungnahme der FBB zu lesen bekommen zeigt wie notwendig es ist, dass die Medien durch ihre Berichte die Öffentlichkeit über Sachstände am BER informieren, die uns sonst vorenthalten würden.

Aus unserer Sicht mangelt es insgesamt an Transparenz im Projekt BER. Die Aussage, dass es sich beim TÜV Bericht nicht um ein geheimes oder unbekanntes Papier
handelt ist nicht wirklich nachvollziehbar. Bei der vorherrschenden Informationspolitik der FBB und der Aufsichtsgremien dürfen die Herrschaften sich nicht wundern, wenn
es immer wieder „neue“ Meldungen gibt, die dann nur mühsam wieder eingefangen werden können. Der TÜV-Bericht, welcher sogar über „systemische“ Mängel berichtet, war
der Öffentlichkeit so nicht bekannt.

Es sind immer die gleichen Kategorien, die in diesen Berichten auftauchen, schon seit drei Jahren. Im neuesten Bericht des TÜV-Rheinland ist sogar von „systemischen“ Fehlern die Rede. Es erweckt den Anschein, als wenn es seit mehr als drei Jahren praktisch keinen Baufortschritt mehr gegeben hat.

Die FBB spricht in ihrer Stellungnahme ja auch von „wesentlichen“ Mängeln in verschiedenen Bereichen. Eigentlich hatten wir geglaubt, dass die Phase der wesentlichen Mängel nun eigentlich vorbei sei und „nur“ noch Nachbesserungen erforderlich sind. Die vom TÜV festgestellten wesentlichen Mängel betreffen die Anlagen im Main Pier Nord und davon auch nur ausgesuchte Teilbereiche. Wie lang die Liste der noch offenen Punkte ist, bleibt weiter im Verborgenen und „systemische“ Fehler werden im Anlagenbau meistens nicht in wenigen Wochen beseitigt. Da müssen häufig neue Pläne erstellt und genehmigt werden.

Was sagen eigentlich die Genehmigungsbehörden dazu. Sie haben schließlich die Pläne und Änderungen genehmigt.

Die Aussage im Abschnitt bezogen auf „Zur Validierung der verbindlichen Pläne….“ ist insgesamt bezeichnend. Wenn Pläne verbindlich sein sollen, dann hätte man sie vorher „validieren“ müssen. (Validieren heißt ja, auf ihre Stringenz und Tragfähigkeit prüfen). Wenn nun die Validierung durch den TÜV negativ ausfällt, dann fällt wohl auch die Verbindlichkeit der Terminpläne. Das was dann weiter in den Ausführungen der FBB folgt, liest sich nicht unbedingt wie ein Dementi der Terminaussage 2021.

Es bleibt abzuwarten, welches „Weihnachtsgeschenk“ uns Herr Lütke-Daldrup am 15.12. auf den Gabentisch legen will. Wenn die Terminaussage dann nicht mit einer glaubwürdigen Begründung unterlegt wird, dann werden die Zweifel bleiben und die Diskussionen nicht enden. Es gibt auch Geschenke, die man eigentlich gar nicht haben will.

Wie soll man das nun alles bewerten? Drei verschiedene Schlussfolgerungen drängen sich auf:

  1. Die Technik-Vorgaben waren/sind falsch (falsches Konzept, falsche Technik).
  2. Die beteiligten Firmen sind unfähig, die Vorgaben umzusetzen (falls 1 nicht zutrifft).
  3. Die Fertigstellung wird systematisch verhindert (Sabotage), weil bestimmte Gruppen einen Vorteil davon haben.

Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass die Karre völlig in den Dreck gefahren ist, aber keiner will uns die Wahrheit sagen. Auf der „letzten“ Meile kommen nun alle früheren Versäumnisse und gravierenden Fehler voll zum Tragen. Es wird klar, dass der politische Aufsichtsrat nicht in der Lage war, dieses Großprojekt zielführend und erfolgreich zu begleiten. Der Mangel an Fachkompetenz hat verhindert, dass die Planungs- und/oder Ausführungsfehler rechtzeitig erkannt und abgestellt werden. Die Politik greift bis heute mit fadenscheinigen Argumenten in das Operative Geschäft der FBB als Bauträger ein.

Aus allen drei genannten Möglichkeiten wird jedoch eines klar: Es müssen Ross und Reiter genannt werden, die in diesem Desaster die Verantwortung tragen, um sie dann auch zur Rechenschaft zu ziehen. Wir fordern eindringlich Transparenz und Offenlegung aller Berichte und Gutachten und keine weitere Geheimniskrämerei.

Man muss sich das nur einmal vor Augen führen was da eigentlich abläuft: Laut TÜV-Bericht kommt eine Eröffnung des BER kaum vor 2021/2022 in Frage. Das sind von heute an noch 3-4 (VIER) Jahre! In der selben Zeit werden in anderen Ländern ganze Flughäfen neu gebaut. Ist der Bauzustand tatsächlich so katastrophal, dass das etwa damit gemeint ist, still und heimlich praktisch neu bauen?

Wie will der Senat und alle politisch Verantwortlichen jetzt mit der „neuen“ Situation umgehen? Am 31.12.2019 läuft die „LEX-Tegel“ aus und die Anwohner von Tegel haben Anspruch auf Lärmschutz. Die Betroffenen Menschen werden dann den gleichen Lärmschutz einfordern, wie das am BER der Fall ist.

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann ist spätestens am 31.12.2019 der GAU zu erwarten.

Herr Lütke-Daldrup kann am besten dadurch Vertrauen schaffen oder wieder herstellen, indem er in kurzen Abständen der Öffentlichkeit Einsicht in den Baufortschritt gibt. Dazu reicht es aber nicht aus, dies durch wenig nachvollziehbare Verlautbarungen bewerkstelligen zu wollen, wir wollen es sehen. Es gibt genügend sachverständige Mitstreiter in den Reihen der Bürgerinitiativen, die den Ausführungen vor Ort sehr
gut folgen könnten.

Ein Gedanke zu „2000 Tage BER-Nichteröffung

  1. Das stinkt doch was zum Himmel! Meine Frau hatte vor einer Woche die Bemerkung gemacht…”… ich möchte wetten, dass die die in den zukünftigen Einflugschneisen leben, also die denen es finanziell sehr gut geht, ihre schmucken 1-2 Familienhäuser haben, wo auch Kleinpolitiker leben, mit ihre Hände im Spiel haben, seit Jahren. …”
    Abzuweisen ist diese Vermutung nicht, man erinnere sich auch einst an die massiven Protestaktionen als es hies es sollte dieser oder jener Termin nun endgültig sein zur Eröffnung. Auch weitere unlautere Aktionen sind da denkbar… doch das ist nur ein Teil der ewigen Schandustände run um den BER und dessen zweifelhafter Eröffnungstermintrauerspiel.

    Gründe gibt es mit Sicherheit viele , alle zusammen ergeben dann das Trauerspiel unter dem wir Anwohner leiden. Mit Sicherheit weit mehr als 300 000 Menschen ertragen eine schlechte Wohnqualität mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die ewigen Querelen um das Versagen deutscher Handwerksfirmen mit dem damit verbundenen schlechten Ruf weltweit sind eine weitere Katastrophe , in der heutigen Zeit.
    Es ist unentschuldbar, unzumutbar, unerträglich, dass sich diese Versagerfirmen, Planungsbüros, Verantwortliche bis hin ins Management bisher schadlos daran halten. Es ist nicht einsehbar, dass ausführende Firmen nicht in vertragliche Schadenserstzpflicht verwickelt werden – etwas das on dieser Form auch unüblich ist.
    Oft frage ich mich, ob die Bevölkerung sich überhaupt im klaren ist, dass hier Steuergelder durch den Kamin geheizt werden die wir alle zahlen müssen, umgelegt in den verschiedensten eindeutigen bishin phantasivollsten Abgabenbezeichnungen.

    Versagen – Unfähigkeit – Schande –

Schreibe einen Kommentar